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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Lebenserwartung Wer oben wohnt, lebt länger
Viele Treppen bis in den fünften Stock - besonders ohne Aufzug - sind eine Herausforderung. Oben zu wohnen scheint aber auch handfeste Überlebensvorteile zu bringen: so hat eine Studie Schweizer Forscher an der Universität Bern ergeben, dass die Bewohner der oberen Etagen im Schnitt länger leben als ihre Nachbarn im Parterre. Als Ursache hierfür vermuten die Wissenschaftler gesundheitliche Faktoren.
Höheres Risiko für Herzkrankheiten im Parterre
Für ihre Studie, die im Journal of Epidemiology veröffentlicht wurde, analysierte das Team um Professor Matthias Egger und Radoslaw Panczak Daten von 1,5 Millionen Menschen, die in einem Gebäude mit vier oder mehr Stockwerken wohnten. Bei diesen Menschen werteten sie aus, wer in welchem Stockwerk lebte und wie sich ihre Gesundheit von 2001 bis 2008 entwickelte. Insgesamt starben 142.390 Teilnehmer während des Studienzeitraums. Dabei fiel auf, dass die Gesundheitsgefahren in den unteren Etagen am höchsten waren. So war im Vergleich zwischen Erdgeschoss und dem achten Obergeschoss das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen um 22 Prozent höher. Bei den Lungenerkrankungen betrug die Risikosteigerung sogar 40 Prozent.
Forscher: Treppensteigen fördert die Gesundheit
Die Wissenschaftler vermuten, dass sich die höhere körperliche Aktivität, um in die oberen Stockwerke zu gelangen, einen positiven Einfluss auf die körperliche Verfassung habe. Auch wenn bei den höheren Stockwerken wohl häufig der Lift benutzt würde, könnte das Treppensteigen das Ergebnis beeinflusst haben. Egger führt aus: "Wer regelmäßig die Treppen zu seiner Wohnung erklimmt, macht etwas für seine Gesundheit." Das wirke sich selbstverständlich auch positiv auf die Lebensdauer aus.
Belastung durch Schadstoffe ist oben geringer
Dass das Risiko für Lungenkrankheiten in den unteren Etagen größer ist als in den oberen, sehen die Forscher in direktem Zusammenhang mit der Qualität der Luft. Diese sei oben weniger von Schadstoffen belastet. Laut Egger habe das nicht nur mit dem Straßenverkehr zu tun. Vielmehr sei in Häuserschluchten generell der Luftaustausch nahe dem Erdboden gegenüber der Höhe vermindert. So könnten sich im Raum zwischen hoch aufragenden Gebäuden leichter Schadstoffe anreichern.
Oben zu leben, hat auch Schattenseiten
Doch nicht bei allen Todesursachen sind die Bewohner in den höheren Stockwerken im Vorteil: Sie sterben nämlich deutlich häufiger als die Bewohner der untersten Stockwerke durch Sprünge aus großer Höhe in Selbstmordabsicht. Ob das allein an der Gelegenheit liegt, konnte dabei nicht ermittelt werden. Egger: "Die Frage ist aber interessant für die Diskussion, ob die Verfügbarkeit einer Methode einen Einfluss auf die Suizidrate hat.“
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