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Dax und Wall Street geraten durch US-Zölle auf Autos unter Druck


Trumps Zollhammer
Handelsstreit eskaliert – Anleger fliehen aus Dax und Wall Street

Von reuters, llb

Aktualisiert am 27.03.2025Lesedauer: 6 Min.
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Donald Trump: Der US-Präsident hat am Mittwoch angekündigt, Zölle auf alle Autos zu erheben, die nicht in den USA gebaut werden. (Quelle: Frank Hoermann/SVEN SIMON)
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Die Börsen stehen unter Druck: Neue US-Strafzölle auf Autoimporte verunsichern Anleger weltweit. Auch der Dax verliert deutlich – und die Autoindustrie schlägt Alarm.

Der deutsche Leitindex Dax gab am Mittwoch deutlich nach und schloss mit einem Minus von 1,2 Prozent bei 22.839,03 Punkten. Auch für den Donnerstag zeichnen sich Kursverluste ab: Kurz nach Handelsbeginn verlor der deutsche Leitindex in der Spitze 1,6 Prozent auf 22.469 Punkte. Mittlerweile beläuft sich der Tagesverlust auf minus 0,84 Prozent.

Ein zentraler Auslöser für die Verluste sind neue Strafzölle, die US-Präsident Donald Trump auf Autoimporte angekündigt hat. Ab dem 2. April sollen alle Fahrzeuge, die nicht in den USA gefertigt werden, mit einem Einfuhrzoll von 25 Prozent belegt werden. Die Maßnahme trifft besonders die exportstarke deutsche Autoindustrie und führt zu neuen Spannungen im transatlantischen Verhältnis.

"Die neuen Zölle werden die Situation der deutschen Autobauer, deren Gewinne bereits deutlich eingebrochen sind, weiter erschweren", sagte Chefanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Zu den größten Verlierern zählten die Autowerte. Die Aktien von Porsche, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen gaben im Dax zwischen 4,4 und 2,3 Prozent nach.

Die deutsche Industrie reagierte mit scharfer Kritik: "Die Konsequenzen werden Wachstum und Wohlstand auf allen Seiten kosten", warnte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Die Zölle seien eine erhebliche Belastung für Unternehmen und für die eng verzahnten globalen Lieferketten.

Auch von politischer Seite kam Gegenwind. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, sie bedaure die US-Entscheidung "zutiefst". Zölle seien "schlecht für Unternehmen und noch schlechter für Verbraucher", sowohl in der EU als auch in den USA. Die EU werde ihre wirtschaftlichen Interessen verteidigen, zugleich aber eine Verhandlungslösung anstreben.

Wall Street rutscht ab: Techwerte besonders betroffen

Auch die US-Börsen reagierten am Mittwoch mit Verlusten auf die angekündigten Autozölle. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,3 Prozent tiefer bei 42.454,79 Punkten. Deutlich stärker fiel der Rückgang beim marktbreiten S&P 500 aus, der um 1,1 Prozent auf 5.712,20 Zähler nachgab. Besonders hart traf es den technologielastigen Nasdaq, der zwei Prozent auf 17.899,02 Punkte verlor.

Die angekündigten Zölle wirkten wie ein Dämpfer auf die zuletzt positive Stimmung an den Märkten. Anleger befürchten eine weitere Eskalation des Handelskonflikts und eine Belastung für die Weltkonjunktur. Techwerte standen besonders unter Druck – viele dieser Unternehmen sind global vernetzt und stark von internationalen Lieferketten abhängig.

Unternehmen mit höheren Dividenden – Rational, Scout24 & Co.

Trotz des angespannten Marktumfelds zeigen sich einige deutsche Unternehmen in guter Verfassung – und lassen ihre Aktionäre daran teilhaben. Mehrere börsennotierte Konzerne haben angekündigt, ihre Dividenden für das abgelaufene Geschäftsjahr anzuheben.

Der Großküchenausrüster Rational will seine Dividende kräftig um 1,50 Euro auf 15,00 Euro je Aktie erhöhen. Das Unternehmen profitierte 2024 von einem stabilen Kostenumfeld und einem gestiegenen Gewinn – das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg um 13 Prozent auf 314 Millionen Euro.

Auch der Immobilienanzeigen-Spezialist Scout24 hebt die Dividende um zehn Prozent auf 1,32 Euro je Aktie an. Der bereinigte Nettogewinn des Unternehmens stieg im vergangenen Jahr auf 212,2 Millionen Euro – ein Plus von 14 Prozent.

Chip-Ausrüster Süss Microtec plant ebenfalls eine höhere Ausschüttung. Für das vergangene Jahr soll es 30 Cent je Aktie geben – zehn Cent mehr als 2023. Der Nettogewinn schnellte 2024 auf 110,3 Millionen Euro – vor allem dank eines einmaligen Verkaufserlöses von rund 54 Millionen Euro.

Der Dax-Konzern Symrise bleibt seiner Dividendenpolitik treu und hebt die Ausschüttung auf 1,20 Euro je Aktie an. Es ist die 15. Erhöhung in Folge. Das Unternehmen bekräftigte zugleich seine Jahresziele für 2025, die ein organisches Wachstum von fünf bis sieben Prozent und eine operative Rendite (Ebitda-Marge) von um die 21 Prozent vorsehen.

Bahntechnik-Spezialist Vossloh zeigt sich nach einem Rekordjahr ebenfalls großzügig. Die Dividende soll leicht auf 1,10 Euro je Aktie steigen. Der Auftragseingang erreichte 2024 ein neues Allzeithoch, vor allem dank starker Nachfrage aus Afrika und Europa.

ProSieben-Aktie bricht ein – Übernahmeangebot enttäuscht

Doch nicht bei allen Unternehmen läuft es so rund. Einen herben Rückschlag erlebten die Aktionäre von ProSiebenSat.1. Die Aktie des Münchner Medienkonzerns verlor am Donnerstagmorgen zeitweise über 13 Prozent und war damit größter Verlierer im SDax. Grund ist ein Übernahmeangebot des italienischen Großaktionärs MFE-MediaForEurope, das am Markt auf wenig Gegenliebe stößt.

MFE, das bereits knapp 30 Prozent an ProSieben hält, kündigte an, seine Beteiligung aufstocken und künftig stärker Einfluss nehmen zu wollen. Das Angebot sieht vor, den dreimonatigen Durchschnittskurs zu zahlen – 78 Prozent davon in bar, 22 Prozent in neuen MFE-Aktien. Damit liegt der Angebotspreis unter dem aktuellen Börsenkurs. Beobachter bezweifeln jedoch, dass die Offerte auf breite Zustimmung stößt – auch der zweitgrößte Aktionär, die tschechische PPF-Gruppe, äußerte sich zunächst nicht.

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Schwacher Ausblick bei Ionos – Probleme bei Produkteinführung

Cloudanbieter Ionos dürfte verhalten auf 2025 blicken, obwohl er im vergangenen Jahr seine zuvor reduzierten Ziele erreicht hat. Schwierigkeiten bei der Einführung eines neuen Produkts belasteten die Entwicklung und führten bereits im Sommer zur Senkung der Prognose.

Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen ein Umsatzplus von rund acht Prozent im Kerngeschäft rund um Cloud-Services. 2024 war der Umsatz in diesem Bereich noch um 11,6 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro gestiegen. In der margenschwächeren Sparte AdTech rechnet Ionos hingegen mit Stagnation.

Beim bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) geht das Unternehmen von einem Zuwachs um 12,8 Prozent auf rund 510 Millionen Euro aus. Im vergangenen Jahr hatte sich dieser Wert bereits um knapp 16 Prozent auf 452,2 Millionen Euro erhöht.

Trotz der soliden Zahlen bleibt der Ausblick gedämpft. Im Vergleich zum Mutterkonzern United Internet, der insbesondere unter den Problemen bei der Mobilfunk-Tochter 1&1 leidet, konnte Ionos aber erneut stärker wachsen.

Jungheinrich leidet unter Marktumfeld

Beim Gabelstaplerhersteller Jungheinrich hinterließ das schwierige wirtschaftliche Umfeld im Jahr 2024 deutliche Spuren. Der Umsatz sank um 2,8 Prozent auf 5,392 Milliarden Euro – vor allem wegen rückläufiger Erlöse in Deutschland und Nordamerika. Allein auf dem Heimatmarkt gingen die Einnahmen um 3,1 Prozent zurück.

Trotz des Umsatzrückgangs konnte das Unternehmen das operative Ergebnis (Ebit) mit 434 Millionen Euro stabil halten. Die Ebit-Marge verbesserte sich leicht von 7,8 auf 8,1 Prozent. "Nur dank unserer frühzeitig eingeleiteten und konsequent umgesetzten Maßnahmen zur Ergebnissicherung konnten wir unsere Ebit-Rendite auf Vorjahresniveau halten", erklärte Vorstandschef Lars Brzoska.

Zu den Sparmaßnahmen gehörte auch ein gezielter Stellenabbau. Vor allem in Deutschland wurde die Zahl der Beschäftigten reduziert – insgesamt sank die Mitarbeiterzahl um 195 auf 20.922.

Für das laufende Jahr rechnet Jungheinrich mit einem Umsatz zwischen 5,4 und 6,0 Milliarden Euro. Das Ebit soll sich in einer Spanne zwischen 430 und 500 Millionen Euro bewegen. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 0,78 Euro je Stammaktie und 0,80 Euro je Vorzugsaktie erhalten – etwas weniger als im Vorjahr.

Börsen in Asien reagieren nervös – Autowerte unter Druck

In Asien lösten die angekündigten US-Strafzölle Verunsicherung aus. Besonders an der Börse in Tokio dominierten am Donnerstag rote Vorzeichen: Der japanische Leitindex Nikkei verlor 1,1 Prozent und schloss bei 37.609,02 Punkten. Der breiter gefasste Topix sank um 0,6 Prozent auf 2.794,61 Zähler.

Im Fokus standen japanische Autohersteller, die besonders stark unter Druck gerieten. Toyota verlor 3,4 Prozent, Honda 2,8 Prozent und Nissan 2,6 Prozent. Am deutlichsten fiel Mazda – mit einem Minus von 6,4 Prozent war das Unternehmen der größte Verlierer im Nikkei. Der Grund ist die große Abhängigkeit vom US-Markt: Laut Finanzministerium machten Autos im Jahr 2024 über 28 Prozent der japanischen Exporte in die Vereinigten Staaten aus.

An der chinesischen Börse dagegen hielten sich die Verluste in Grenzen. Der Shanghai-Composite legte um 0,3 Prozent zu, der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen stieg um 0,4 Prozent. Hoffnung machte die Aussage von Donald Trump, China könnte im Rahmen einer möglichen TikTok-Einigung Zoll-Erleichterungen erhalten. Die Industriegewinne in China sanken zwar im Januar und Februar leicht um 0,3 Prozent, doch die Märkte reagierten gelassen.

Ölpreise kaum verändert – Markt beobachtet Venezuela-Konflikt

Am Rohstoffmarkt blieb die Lage am Donnerstag weitgehend ruhig. Die Ölpreise bewegten sich kaum. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 73,85 US-Dollar, während die US-Sorte WTI bei 69,74 US-Dollar notierte.

Etwas Spannung riefen politische Drohungen aus Washington hervor: Die US-Regierung erwägt, Länder mit Zöllen zu belegen, die venezolanisches Öl kaufen. Hintergrund sind Befürchtungen, dass es zu einer Verknappung des globalen Angebots kommen könnte – vor allem, wenn Venezuela vom internationalen Markt stärker isoliert wird.

Trotz dieser Unsicherheit reagierte der Markt zunächst gelassen. Analysten sehen die Lagerbestände aktuell als ausreichend an, um kurzfristige Ausfälle zu kompensieren.

Verwendete Quellen
  • Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters
Transparenzhinweis

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