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ESC 2025: Hat Raab heimlich die Regeln geändert? Wirbel um ARD-Show


Wirbel um ESC-Show im Ersten
Wie kann das sein?


27.02.2025 - 17:25 UhrLesedauer: 4 Min.
Basel ruft: ARD, RTL und Stefan Raab suchen gemeinsam Deutschlands Act für den Eurovision Song Contest 2025.Vergrößern des Bildes
Basel ruft: ARD, RTL und Stefan Raab suchen gemeinsam Deutschlands Act für den Eurovision Song Contest 2025. (Quelle: RTL)
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Kurz vor der ESC-Show am Samstag teilt der NDR mit, bei der Entscheidung für Basel neue Wege zu gehen. Das Vorgehen um Chefjuror Stefan Raab wirft Fragen auf.

Eigentlich war doch alles ganz einfach: Nachdem Stefan Raab mit seiner Jury bei RTL drei verschiedene Vorentscheide veranstaltet hatte, sollte das Publikum am 1. März im großen ARD-Finale den diesjährigen ESC-Star auswählen. Neun Bands, Künstler und Duos stehen seit dem Halbfinale am 22. Februar zur Auswahl. Sie haben sich unter den 24 ursprünglichen Kandidaten durchgesetzt.

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Jetzt, so dachte man, liegt die Entscheidung bei den Zuschauern: Wer von diesen neun Kandidaten bekommt die meisten Stimmen und darf am 17. Mai für Deutschland zum Eurovision Song Contest nach Basel?

 
 
 
 
 
 
 

Doch im Verlauf dieser Woche änderte sich das. Am Dienstag verschickte der bei der ARD für den ESC zuständige NDR eine Pressemitteilung, die eigentlich nur bekannt geben sollte, wer bei der Entscheidungsshow "Chefsache ESC 2025 – Wer singt für Deutschland?" neben Stefan Raab in der Jury sitzt – allerdings aus anderen Gründen aufhorchen ließ. Ganz beiläufig hieß es dort in einem Nebensatz: "Fünf Acts werden von Stefan Raab und seiner Jury für die nächste Runde ausgewählt."

Weitere Erklärungen gab es nicht, und damit war die Verwirrung perfekt. Denn mit "die nächste Runde" war keine weitere Show nach dem ohnehin komplexen Vorauswahlprozess dieses Jahr gemeint, sondern lediglich eine neue Stufe in der Finalshow am kommenden Samstag. Nur: Davon wusste vorher niemand.

"Eine Regeländerung ist das nicht"

Aus einem reinen Publikumsvoting wird nun eine Finalshow mit vorgeschalteter Juryentscheidung – und erst im Anschluss an die Auswahl von Raab und Co. darf per Anruf, SMS oder Onlinevoting abgestimmt werden. Neben Chefjuror Stefan Raab sind dieses Mal Conchita Wurst sowie Yvonne Catterfeld und Nico Santos Teil der Prüfungskommission. "Elton kann wegen eines privaten Termins in dieser Ausgabe nicht mit auf dem Jury-Podium sitzen", lässt der NDR mitteilen.

Warum diese Jury nur noch fünf Acts zum Publikumsvoting zulässt: unklar. Auf Anfrage von t-online weicht der NDR aus und verweist auf seine Pressemitteilung. Auf die Nachfrage, dass diese Regeländerung aus Publikumssicht verwirrend ist, heißt es: "Dass die Jury im Finale eine Vorauswahl trifft, wussten die teilnehmenden Acts vor dem Halbfinale am 22. Februar. Eine Regeländerung ist das nicht: Auch von RTL wurde jeweils vor jeder Show gesagt, wie sie funktioniert."

Für t-online klang diese Erklärung widersprüchlich. Denn wieso sollten die Acts erst vor dem Halbfinale über das Prozedere Bescheid wissen, wenn RTL angeblich vor jeder Show, also auch bei den Vorrunden am 14. und 15. Februar, erklärte, wie es funktioniert. Eine Sprecherin des NDR ließ daraufhin mitteilen: Damit sei gemeint gewesen, "dass es am Beginn keinen allgemeinen Überblick gab und RTL zum Beispiel erst direkt vor dem Chefsache-Halbfinale (Show 3) kommuniziert hat, wie das Prozedere dort ist – dass neun der 14 Acts ins Finale kommen."

Demnach seien die Informationen, wie "Chefsache ESC 2025" funktioniert, "von Show zu Show" kommuniziert worden. Die Belege dafür bleibt der NDR schuldig. Denn wer alle Sendungen bei RTL gesehen und die Berichterstattung der zuständigen Sender vorab verfolgt hat, bekam einen anderen Eindruck. Es gab zu Beginn einen klaren Ablaufplan und dieser sah vor: Dreimal entscheidet die Jury bei RTL, anschließend das Publikum im Finale der ARD.

Der NDR erweckt den Eindruck, es sei nun vollkommen selbstverständlich, dass der Auswahlprozess wenige Tage vor dem Finale angepasst wird. "Es gibt keinen 'Fehler'", teilt der NDR auf Nachfrage von t-online mit.


Quotation Mark

Nun wird die Chefsache zur Zuschauersache.


nachrichtenagentur afp


Seltsam nur, dass auch andere Medien über diesen beiläufigen Satz in der Pressemitteilung des NDR gestolpert sind – oder dieses Detail gar nicht erst bemerkten. So verschickte die Nachrichtenagentur AFP an diesem Donnerstag einen Vorbericht zur ESC-Show, in der es heißt: "Nun wird die Chefsache zur Zuschauersache". Kein Wort über eine Vorauswahl von Raab und Co. Im Gegenteil: "In den drei vorherigen Shows wählte die Jury um den Oberboss Stefan Raab aus", heißt es in dem Text. Dass der Oberboss auch im Finale mitentscheiden darf, wird nirgends erwähnt.

Auch sonst haben in den vergangenen Tagen kaum Medien über den Umstand berichtet, dass der Ablauf im Finale anders geregelt ist als ursprünglich angenommen. Schlagzeilen produzierte lediglich der Umstand, dass Elton im Finale ersetzt wird und nicht wie in den drei Shows zuvor neben Yvonne Catterfeld und Stefan Raab Platz nimmt.

"Auch im Finale der letzten Neun 'Chefsache'"

Lediglich das Portal "ESC kompakt" berichtete. Dort hieß es zur kurzfristigen Anpassung: "Regeländerung bei 'Chefsache ESC 2025': Die Jury entscheidet auch im Finale weiter mit." Am Mittwoch verfasste Chefredakteur Benjamin Hertlein sogar einen Kommentar zum Thema mit dem Tenor "Eine Regeländerung im laufenden Verfahren ist ein absolutes No-Go".

Wie t-online erfuhr, hat auch Hertlein mit seinem Portal beim NDR nachgefragt. Er bekam eine andere Antwort als t-online. Auf die Frage "Wie kam es – abweichend von früheren NDR-Veröffentlichungen – zu der Entscheidung, einem Superfinale ein Juryvoting vorzuschalten und warum?" teilte eine Sendersprecherin mit: "Für Stefan Raab ist der ESC auch im Finale der letzten Neun 'Chefsache'."

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Womöglich gibt diese Antwort Aufschluss darüber, dass in den vergangenen Tagen hinter den Kulissen etwas in Bewegung geraten ist. Schließlich steht Stefan Raab unter Druck. Sein Comeback beim weltweit meistbeachteten Musikwettbewerb ist in Deutschland mit großen Erwartungen verknüpft. Er und ARD-Programmdirektorin Christine Strobl erklärten nicht weniger als den Sieg zum Ziel, so wie es Raab 2010 mit der Newcomerin Lena Meyer-Landrut gelungen war.

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Bekamen es die Macher so kurz vor der Entscheidung mit der Angst zu tun – und trauten dem Publikum nicht mehr zu, aus neun Acts den besten ESC-Star für Deutschland auszuwählen? Das wissen nur die Beteiligten selbst.

Am Samstag wird es nun spannend zu sehen sein, welche vier Kandidaten vorab das Feld räumen müssen, bevor die Zuschauer ihre Stimmen abgeben dürfen. An einer nicht repräsentativen Umfrage von t-online, die nach dem Halbfinale am vergangenen Wochenende publiziert wurde, nahmen inzwischen mehr als 9.000 Menschen teil. Dort ist die Metal-Band Feuerschwanz mit fast 30 Prozent der abgegebenen Stimmen klarer Favorit, gefolgt von dem Geschwisterduo Abor & Tynna, das auf 16 Prozent kommt und den Sänger Moss Kena, der bei 12 Prozent landet.

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