Rund 200 Beamte im Einsatz Schwere Steuerhinterziehung? Razzia beim DFB

Am Mittwoch hat der DFB den Fokus komplett auf das Länderspiel gegen die Türkei gelegt. Doch einige Stunden vor Anpfiff standen plötzlich Polizisten in der Tür – in gleich fünf Bundesländern.
Wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main am Mittwoch die Geschäftsräume des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sowie Privatwohnungen von aktiven und ehemaligen DFB-Verantwortlichen durchsucht.
An den Maßnahmen in Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz waren insgesamt rund 200 Beamte beteiligt, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte. Neben Staatsanwälten waren Beamte der Steuerfahndung, des Bundeskriminalamtes und der Bundespolizei im Einsatz.
Entging der DFB einer hohen Besteuerung?
Dabei gehe es um Einnahmen aus der Bandenwerbung von Heimländerspielen der Fußball-Nationalmannschaft aus den Jahren 2014 und 2015. Namen der Verdächtigen nannte die Behörde nicht. Sie teilte aber mit, dass es sich um sechs Personen handelt.
Der DFB hat zu dem Zeitpunkt die Firma "Infront" für die Werbevermarktung beschäftigt. "Infront" zahlte Geld an den DFB, bekam dafür die Einnahmen aus dem Sponsoring. Weil aber der DFB laut der Staatsanwaltschaft Einfluss auf die Auswahl der Sponsoren nahm und entschied, welche Unternehmen zu sehen waren, hätte der Verband selbst die Einnahmen versteuern müssen. Kostenpunkt: 4,7 Millionen Euro.
Gegen wen sich die Ermittlungen genau richten, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit. Sie spricht von sechs ehemaligen oder gegenwärtigen Verantwortlichen. DFB-Präsident Fritz Keller ist erst seit einem Jahr im Amt, sein Vorgänger Reinhard Grindel war 2016 gewählt worden.
DFB-Präsident Fritz Keller will die Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung "allumfänglich unterstützen". Dies sagte der 63 Jahre alte Spitzenfunktion am Mittwoch vor Pressevertretern. "Ich bin für Aufklärung, um eine saubere Zukunft für den Fußball zu haben", sagte Keller weiter.
- Nachrichtenagenturen dpa, Reuters