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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Sicherheitskonzept bei Rock im Park Wenn das Licht ausgeht, beginnt die eigentliche Show

Der Headliner ist durch, das Bier leer und die Masse in Bewegung. Wie Rock im Park Chaos vermeidet, zehntausende Feiernde lenkt – und wann es dennoch eng wird.
Was passiert, wenn plötzlich 20.000 Menschen zur nächsten Bühne wollen? Bei Rock im Park ist das kein Problem – dank eines Sicherheitskonzepts, das kaum jemand bemerkt. Meistens jedenfalls.
Wenn am späten Abend der Headliner auf der Utopia-Bühne abtritt und die Lichter ausgehen, beginnt für die Verantwortlichen hinter den Kulissen bei Rock im Park der nächste Stresstest: die Bewegung. Zehntausende Feierwütige machen sich dann gleichzeitig auf den Weg zur nächsten Bühne – dicht gedrängt, nicht selten alkoholisiert. Es kommt naturgemäß zu Gedränge. Das ist bislang immer in gelenkten Bahnen und ohne Massenpanik verlaufen.
Crowdmanager lenkt die Massen
Michael Petzold, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Mittelfranken, sagt: "Wenn Zehntausende Menschen zwischen den Bühnen wechseln, muss das reibungslos funktionieren." Dass es das seit jeher tut, liegt an einem Zusammenspiel zwischen Veranstalter, Rettungsdiensten und Feuerwehr und natürlich der Polizei. Dort ist ein festes Kernteam für die Großveranstaltung zuständig. Petzold sagt, es "gehört eigentlich schon zum Inventar von Rock im Park". Vor Ort unterstützen Beamte von Verkehrs-, Bereitschafts- und Kriminalpolizei. Die Einsatzkonzepte bestehen seit Jahren, werden nach eigenen Angaben immer wieder an bestimmte Erkenntnisse angepasst, die man etwa im Vorjahr gesammelt habe, so der Sprecher.
Kopf der Besucherlenkung ist ein hauptberuflicher Crowdmanager, den der Veranstalter eigens für die problematischen Punkte auf dem Gelände einsetzt. Dieser stimmt sich – auch im Vorfeld – mit Polizei und Sicherheitsdienst ab, beobachtet Hotspots, analysiert Strömungen und reagiert auf kleinste Verschiebungen. Die Besucherlenkung wird unterstützt durch ein Lichtkonzept, das den Feiernden gezielt Orientierung gibt – durch visuelle Führung. "Über Schilder und Lichtschaltungen können wir die Menschenströme in bestimmte Richtungen lenken", sagt Polizeipressesprecher Petzold.
"Wir sind für alle möglichen Szenarien ziemlich gut aufgestellt"
Sollte es doch zu einer Situation kommen, in der die Besuchermassen angesprochen werden müssen, steht ein Lautsprecherwagen der Polizei bereit. Megafone kommen ebenfalls zum Einsatz, erklärt Petzold. "Wir sind für alle möglichen Szenarien ziemlich gut aufgestellt."
Unwetter als "maximale Herausforderung"
Das System der Besucherlenkung wurde in der Vergangenheit schon mehrfach auf die Probe gestellt. Besonders herausfordernd seien etwa Unwetter, etwa wenn ein Blitz einschlagen könnte und das Festivalgelände deswegen geräumt werden muss. Petzold stellt fest: "Das ist natürlich eine maximale Herausforderung." Er erinnert sich an 2015, als alle Besucher und Camper sicherheitshalber in das Stadion gebracht werden mussten. "Da ging es darum, in kürzester Zeit sehr viele Menschen von einem potenziell gefährlichen Ort wegzubekommen – ohne dass Panik ausbricht."

Das ist Rock im Park
Rock im Park 2025 findet vom 6. bis 8. Juni auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg statt. Erwartet werden über 70.000 Besucher – das Kontingent für Drei-Tages-Tickets ist nahezu ausverkauft. Das Festival gehört zu den größten Open-Air-Musikevents Deutschlands.
Auch einen Terroranschlag spielen die Sicherheitskräfte in der Theorie durch. Bei Veranstaltungen dieser Größenordnung sei eine abstrakte Gefahr immer gegeben, und seit Jahren konstant. Aktuell lägen aber keine konkreten Drohungen vor, betont der Polizeisprecher.
Wie gut das Sicherheitskonzept funktioniert, wird bald wieder auf die Probe gestellt: Die diesjährige Ausgabe von Rock im Park ist nahezu ausverkauft. Petzold freut sich schon darauf. Denn: "Es ist insgesamt ein unheimlich friedliches Festival."
- Telefonat mit Pressesprecher Michael Petzold
- Anfrage bei Pressesprecher Rock im Park