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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Prozess wegen fahrlässiger Körperverletzung Wie es in der "Nachtresidenz" nach dem Deckeneinsturz aussah

Nach dem Deckeneinsturz in der "Nachtresidenz" vor drei Jahren ist am 8. April ein Mann wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt worden. Bilder zeigen nun die Ausmaße des Unglücks.
In diesem Jahr feiert die Düsseldorfer "Nachtresidenz" ihren 25. Geburtstag. Die Planungen für das Jubiläum laufen, doch vor der großen Sause beschäftigt sich in der nächsten Woche erst einmal das Amtsgericht mit einer der dunkelsten Stunden in der 25-jährigen Geschichte des Clubs: Nach dem Deckeneinsturz vor drei Jahren beginnt am Dienstag, dem 8. April, der Prozess.
Am frühen Morgen des 27. März 2022 stürzte gegen 5 Uhr im oberen Bereich der Diskothek ein rund zehn Quadratmeter großes Stück einer abgehängten Decke auf eine Theke. Mehrere Personen wurden verletzt, an weitere Partys war in der "Resi" vorerst nicht mehr zu denken.
Geschäftsführer Marcel Oelbracht sprach zwei Monate nach dem Unglück von einer möglichen Insolvenz. Nach mehr als zwei Jahrzehnten drohte der "Nachtresidenz" – einer der bekanntesten Adressen im Düsseldorfer Nachtleben – das Aus. Wochenlang standen nach dem Partyabbruch noch immer Gläser und Flaschen auf den Tischen, Konfetti lag verstreut auf dem Boden. Erst nach Monaten der Ungewissheit öffnete die "Resi" wieder.
Nachtresidenz: Prozess nach Deckeneinsturz am 8. April
Auf der Anklagebank wird sich nun ein Mann wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten müssen. Der 65-Jährige ist der Betreiber der Firma, die nur wenige Monate vor dem Unglück beim Umbau der "Nachtresidenz" während der Corona-Pause die später herabstürzende Decke eingesetzt hatte. Diese war mutmaßlich zu schwer geworden. Der Grund: Nachdem sich im Herbst 2021 in der neuen Deckenkonstruktion ein Riss gebildet hatte, wollte der Angeklagte diesen wohl mit einer zweiten Gipskartonlage kaschieren. Dadurch erhöhte sich das Gesamtgewicht – mit fatalen Folgen.
"Ich bin überrascht, dass nach drei Jahren überhaupt noch mal ein Prozess startet", sagt "Resi"-Chef Oelbracht vor der Verhandlung zu t-online. Dass so viel Zeit vergehen musste, "ist ziemlich frustrierend". Der Geschäftsführer denkt bei dem Deckeneinsturz nicht nur an den erlittenen Imageschaden für den Club. "Wegen der Schließung entstand ein Millionenschaden", sagt Oelbracht, der nicht als Zeuge geladen wurde. Er selbst möchte den Verantwortlichen des Unglücks auch nicht auf Schadensersatz verklagen: "Das bringt nichts."
Erst die Corona-Pandemie, dann der Deckeneinsturz: Hinter der "Nachtresidenz" liegen herausfordernde Jahre. Doch Oelbracht lässt sich nicht so schnell entmutigen – schon gar nicht, wenn bald der 25. Geburtstag gefeiert wird. "Das Geschäft könnte immer besser sein, aber es läuft wieder gut bei uns. Wir erfinden uns immer wieder neu und schreiben schwarze Zahlen", berichtet der Geschäftsführer.
- Reporter vor Ort