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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Kino-Film über Hildegard Knef "Sie war ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus"

Alte Konzertaufnahmen, Interviews aus der damaligen Zeit: Das ist im neuen Dokumentarfilm über Hildegard Knef zu sehen. In Berlin fand nun die Premiere von "Ich will alles" statt.
Hildegard Knef wäre am kommenden 28. Dezember 100 Jahre alt geworden. Seit Donnerstag (3. April) läuft der Film über das Leben der deutschen Schauspielerin, Chansonsängerin und Autorin in über 100 deutschen Kinos. Bereits auf der Berlinale wurde die Dokumentation "Ich will alles" von der Schweizer Regisseurin Luzia Schmid uraufgeführt.
Am Mittwochabend gab es die Premiere im fast ausverkauften Delphi-Filmpalast in Berlin. Hunderte Fans kamen ins Kino nahe dem Zoologischen Garten. Viele hatten sich schick gemacht, wollten das Leben der Diva, die am 1. Februar 2002 in Berlin verstarb, offenbar in angemessenem Rahmen feiern.
Regisseurin: "Ich wollte, dass sie von sich selbst erzählt"
Die 103-minütige Dokumentation beleuchtet Teile von Knefs Leben als erstem deutschen Weltstar nach dem Zweiten Weltkrieg: Ihre erste Hauptrolle im 1946 erschienenen Spielfilm "Die Mörder sind unter uns". Ihr Scheitern in Hollywood zum Ende der 1940er-Jahre. Ihren Skandalfilm "Die Sünderin", in dem Millionen deutsche Zuschauer ihre nackten Brüste sahen. Auch ihre Musikkarriere, ihre Arbeit als Autorin und ihre Erfolge als Schauspielerin in Musicals am Broadway in New York City werden gezeigt.
Wiederholt stellt der Film Knef als couragierte, provokante und unabhängige Frau dar. Doch die Regisseurin behandelt auch die verletzliche Seite des Filmstars – etwa, wenn es um die vielen Krankheiten und Operationen sowie ihre Tablettenabhängigkeit geht.
"Ich wollte, dass sie von sich selbst erzählt", sagt Regisseurin Schmid am Mittwochabend. Dafür nutzt sie in der Dokumentation Passagen aus Knefs Autobiografie, die aus dem Off kommen. Diese spricht die deutsche Schauspielerin Nina Kunzendorf. Zusammen mit Interviews aus der damaligen Zeit zeichnet die Regisseurin so ein Porträt des Filmstars. Lediglich Knefs Tochter Tinta Knef und ihr dritter Ehemann Paul von Schell kommen darüber hinaus im Film zu Wort.
Das facettenreiche Leben von Knef zwischen Ruhm und Niederlage in eineinhalb Stunden zu packen, sei nicht möglich, so Schmid. Der Fokus liege daher auf Knefs Leben als Weltstar und ihrem Umgang damit. Das sei eine Art Leitfaden gewesen, an dem sich die Regisseurin abgearbeitet habe. "Sie war quasi die Patientin 0 eines Lebens in der Öffentlichkeit", sagt Schmid. Vor dem Krieg habe es so etwas nicht gegeben. Knef habe mehrfach versucht, ihr Leben in den Medien zu steuern. "Doch manchmal ist es ihr total entglitten", so die Regisseurin.
"Sie hat ihrer und den Generationen danach viel mitgegeben"
Dies wird etwa deutlich, als die Dokumentation die damaligen Medienberichte zitiert, die Knefs Liebesleben und andere private Angelegenheiten wiederholt in die Öffentlichkeit zerrten. Doch auch danach sei der Filmstar wieder aufgestanden und habe sich davon nicht verunsichern lassen. "Es war eine Notwendigkeit für sie, gut zu sein und das Bestmögliche zu liefern", sagt die Regisseurin.
Die Eigenschaften Knefs seien laut Schmid auch in der heutigen Zeit noch aktuell. So zeigt der Film, wie sich der Filmstar in einer von Männern dominierten Welt zu beweisen und durchzusetzen wusste. "Ich hatte immer das Gefühl, sie war ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus", so die Regisseurin. Zwischen den Frauen im Publikum und der Frau auf der Bühne hätten damals Welten gelegen, sagt die Regisseurin mit Blick auf das Live-Material aus der damaligen Zeit. "Sie hat ihrer Generation und den Generationen danach viel mitgegeben."
- Besuch der Premiere von "Ich will alles. Hildegard Knef" im Delphi-Filmpalast
- Mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa