Immobilienfinanzierung Versicherer drohen mit Teilausstieg
Deutsche Versicherer drohen einem Zeitungsbericht zufolge mit einem teilweisen Ausstieg aus der Finanzierung von Immobilien. Mehrere vom "Handelsblatt" befragte Vorstände kündigten an, ihre Kapitalanlage-Planungen zu überprüfen und notfalls in großem Stil umzuschichten. Grund seien die neuen Aufsichtsregeln der Branche, das Programm "Solvency 2".
Lukrative Geschäfte müssen heruntergefahren werden
Den derzeitigen Plänen zufolge müssten Versicherer Immobilien-Investments mit 25 Prozent Schutzkapital unterlegen. "Das wird uns zwingen, dieses lukrative Geschäft zurückzufahren", sagte Herbert Schneidemann, Chef von "Die Bayerische". Das Unternehmen hat 500 Millionen Euro im Raum München in Immobilien investiert.
Verschiebungen im dreistelligen Millionenbereich
Die Provinzial Nordwest und Rheinland prüften derzeit ebenfalls, Kapital aus diesem Bereich abzuziehen. Allein bei der Nordwest könnten sich Verschiebungen "im hohen dreistelligen Millionenbereich" ergeben, sagte ihr Chef Ulrich Rüther der Zeitung. Generali Deutschland überprüfe seine Kapitalanlage "aktuell in allen Bereichen", sagte Finanzvorstand Torsten Utecht.
Aufsichtsregel soll vor Krisen schützen
Allein die deutschen Versicherer haben nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) 42,4 Milliarden Euro in Gebäude investiert. Über "Solvency 2" wird bereits seit Jahren diskutiert. Mit einem Inkrafttreten wurde zuletzt nicht mehr vor dem Jahr 2016 gerechnet. Die Regeln sollen die Branche widerstandsfähiger gegen Finanzkrisen und andere Katastrophen machen. Dazu sollen die Versicherer künftig für größere Risiken mehr Eigenkapital bereithalten, für kleinere Risiken weniger.