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Die Kriminalität geht zurück - doch der Minister hat Sorgen


Statistik
Die Kriminalität geht zurück - doch der Minister hat Sorgen

Von dpa
Aktualisiert am 26.03.2025Lesedauer: 4 Min.
Vorstellung Polizeiliche Kriminalstatistik 2024Vergrößern des Bildes
Besonders die Gewalt gegen Einsatzkräfte beschäftigt den Innenminister. (Quelle: Markus Lenhardt/dpa/dpa-bilder)
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Die Zahl der Straftaten ist leicht gesunken, das belegt die Kriminalitätsstatistik. Das heißt nicht, dass der Südwesten auch sicherer geworden ist. Es gibt einige Probleme.

Wie viel wird gestohlen, geschlagen, getötet, geraubt im Südwesten? Einmal im Jahr stellt Innenminister Thomas Strobl (CDU) die Kriminalitätsstatik vor - und betont dabei gern, wie sicher es doch ist, in Baden-Württemberg zu leben. Und tatsächlich sank die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr, nach deutlichen Anstiegen in den Jahren 2022 und 2023. Also alles gut? Ganz so einfach ist es nicht.

Allgemeine Lage

Die Zahl der Straftaten lag 2024 in Baden-Württemberg etwa auf Vorjahresniveau. 587.330 Straftaten registrierte die Polizei - ein leichter Rückgang um 1,2 Prozent. Die Aufklärungsquote lag mit 62,6 Prozent ebenfalls leicht unter dem Vorjahr. Man halte auch in herausfordernden Zeiten ein sehr gutes Sicherheitsniveau, bilanziert Strobl - Baden-Württemberg bleibe eines der sichersten Länder und liege deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Allerdings zeigt ein genauerer Blick: Die Zahl an Straftaten ging auch deshalb zurück, weil es etwa weniger Diebstahlsdelikte gab - die machen aber fast jede dritte Straftat in der Statistik aus.

Der Einfluss der Cannabis-Legalisierung

Die gute Gesamtentwicklung hat laut Strobl auch viel mit der Legalisierung von Cannabis zu tun. Die Rauschgiftkriminalität ging allein um 41,5 Prozent zurück. Strobl kritisiert die Teil-Legalisierung scharf. Diese sei ein "Konjunkturpaket für die organisierte Kriminalität", der Schwarzmarkt breite sich aus. Obwohl Strobl diesen Sondereffekt auf die Statistik klar benennt, spricht die AfD-Fraktion von der Kriminalitätsstatistik als einem "Unsicherheitsbericht, verpackt als Propagandabroschüre".

Entwicklung der Gewalt

In vielen Kriminalitätsbereichen stieg die Zahl der Straftaten aber trotzdem - auch und besonders in jenen, die für die politische Debatte und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ausschlaggebend sind. Man habe das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen im Blick, sagte Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz - das sei genauso wichtig wie die objektive Sicherheit. Die Straftaten im öffentlichen Raum seien rückläufig, so Hinz. Andere sensible Bereiche wuchsen an: So nahmen die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um 13,8 Prozent zu. Die Gewaltkriminalität stieg im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent, die Straßenkriminalität um 4,1 Prozent.

Der Blick ins Land

Die Kriminalitätsbelastung im Flächenland Baden-Württemberg hängt stark von der Region ab, in der man lebt. So kommt man, wenn man ausländerrechtliche Verstöße hinaus rechnet, in Freiburg auf 9.853 Straftaten pro 100.000 Einwohner, in Mannheim sind es 9.685, in Stuttgart 8.165. Im ländlichen Alb-Donau-Kreis liegt die Belastung hingegen nur bei 2.936 Straftaten auf 100.000 Einwohner. Der Landesschnitt: 4.882 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Mit ausländerrechtlichen Verstößen liegt die Quote für das ganze Land bei 5.180 Straftaten pro 100.000 Einwohner.

Die Verdächtigen

Die Zahl der Tatverdächtigen im Land ging um 3,3 Prozent zurück auf 255.829 Menschen. Ein Großteil davon ist männlich. Knapp 49 Prozent davon sind nicht deutsch. Die Zahl der durch Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Flüchtlinge begangenen Straftaten ist mit 75.533 Fällen um
3,9 Prozent leicht rückläufig. Auch der Anteil von Asylbewerbern und Flüchtlingen unter den Tatverdächtigen sank um 5,5 Prozent.

Fast drei Getötete pro Woche

Sogenannte Straftaten gegen das Leben erfassen nicht nur Mord und Totschlag, sondern auch fahrlässige Tötungen, Tötungen auf Verlangen und illegale Schwangerschaftsabbrüche. Sie machen nur 0,1 Prozent der Gesamtstraftaten aus, sorgen aber für große öffentliche Aufmerksamkeit. Ihre Gesamtzahl stieg um 10,9 Prozent auf 456 Fälle - ein Fünf-Jahres-Hoch. 149 Menschen wurden im vergangenen Jahr laut Innenministerium getötet, das waren drei weniger als im Vorjahr, 21 davon ermordet.

Kinder, die zur Klinge greifen

Auch die Messerkriminalität unter Kindern und Heranwachsenden nahm zuletzt spürbar zu. Die Zahl der tatverdächtigen Kinder im Alter von bis zu 13 Jahren im Zusammenhang mit Messerangriffen im öffentlichen Raum stieg im vergangenen Jahr um 20,8 Prozent. Die Zahl der registrierten Heranwachsenden von 18 bis 20 Jahren stieg um 19,8 Prozent auf 302 Tatverdächtige. Junge Menschen würden die Ausübung von Gewalt zunehmend als probates Mittel erachten und zudem ein als "antiquiert einzustufendes Konzept von Männlichkeit" befürworten, berichtet das Ministerium.

Gewalt gegen Polizei auf Höchststand

Auch die Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte nahm weiter zu - die Fälle stiegen im vergangenen Jahr 2024 um 7,2 Prozent auf einen Höchstwert von 6.362. Aber: Seit dem Jahr 2024 fließt auch die Beleidigung auf sexueller Grundlage gegen Polizisten in die Statistik ein, was den Anstieg laut Ministerium erklärt. "Gewalt gegen Einsatzkräfte dürfen wir nicht akzeptieren. Damit finde ich mich nicht ab", sagte Strobl. "Das ist ein absolutes No-Go."

Auch sonstige Beschäftigte im öffentlichen Dienst mussten mehr Angriffe erdulden. Die Zahl der Straftaten stieg in dem Bereich um 15,7 Prozent auf 1.245 Straftaten. Meist ging es dabei um Bedrohung, Körperverletzung, Widerstandsdelikte und Beleidigungen. Die gute Nachricht: Gewalttaten gegen Rettungskräfte und Feuerwehrleute gingen 2024 im Vergleich zum Höchstwert des Vorjahres um 5,9 Prozent auf 222 Fälle zurück.

Mehr Delikte politisch motiviert

Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang im Jahr 2023 stiegen die Fallzahlen im Bereich der politisch motivierten Kriminalität im Vergleich zum Vorjahr um 34,4 Prozent auf 6.526 Fälle an - ein neuer Höchststand im Zehnjahresvergleich. Der größte Zuwachs ist auf die Europa- und Kommunalwahlen zurückzuführen - dabei ging es vor allem um Sachbeschädigungen und Diebstahl, insbesondere das Entfernen und die Beschädigung von Wahlplakaten. Auch die Eskalation des Nahostkonflikts wirkte sich auf das Land aus. Islamismus und Extremismus blieben eine anhaltend hohe Herausforderung, sagte Strobl. Positiv: Die Zahl der Gewaltdelikte sank von 252 auf 211 Fälle.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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