Die subjektive Sicht zweier Autoren auf ein Thema. Niemand muss diese Meinungen übernehmen, aber sie können zum Nachdenken anregen.
Vertragsangebot zurückgezogen Der FC Bayern macht sich lächerlich
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Joshua Kimmich braucht offenbar zu lange, um eine Entscheidung zu treffen – zumindest für die Bayern. Aber deswegen gleich ein Vertragsangebot zurückziehen?
Der FC Bayern treibt seine Zukunftsplanungen voran. Zuletzt verlängerten Manuel Neuer, Alphonso Davies und Jamal Musiala ihre Verträge beim deutschen Rekordmeister. Mit Joshua Kimmich sollte sich ein weiterer Leistungsträger einreihen.
Doch wie die "Bild"-Zeitung und der "Kicker" berichten, hat der Aufsichtsrat des Münchner Klubs beschlossen, das Vertragsangebot für den Mittelfeldakteur vorerst zurückzuziehen. Kimmich habe demnach zu lange überlegt. Die Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit sollen trotzdem fortgesetzt werden. (Mehr dazu lesen Sie hier.)
Nun stellt sich die Frage:
Ist es richtig, dass der FC Bayern das Angebot an Kimmich zurückzuzieht?
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Bayern macht’s richtig, Kimmich überschätzt sich
Ein Jahr zurückgespult: Thomas Tuchel ist noch Trainer des FC Bayern und Joshua Kimmich steht vor dem Aus beim deutschen Rekordmeister. Atmosphärische Störungen zwischen dem Spieler und Trainer sollen der Grund sein, so heißt es hinter vorgehaltener Hand. Im Sommer wird ein Wechsel ins Ausland verhindert, Kimmich bleibt. Er wird Kapitän in der Nationalmannschaft und soll – nach einer deutlichen Leistungssteigerung bei den Bayern – zu dem Gesicht des Klubs werden. Mehr Wertschätzung geht nicht.
Eine Verlängerung des auslaufenden Vertrags wird geplant. Es wird gesprochen, es wird dementiert – am Ende vertagt man sich immer wieder. Nun also haben die Bayern genug. Richtig so. Die Hinhaltetaktik der Kimmich-Seite reicht dem Klub. Und der Rekordmeister tut gut daran, das unwürdige Spiel zu beenden. Sollte der angebotene Vertrag tatsächlich noch besser gewesen sein als der alte (20 Mio. Euro), wie es kolportiert wird, dann hätte Kimmich direkt zuschlagen sollen.
Ja, der Kapitän des DFB-Teams hat seinen Marktwert. Ja, er kann sich den neuen Klub am Ende wahrscheinlich aussuchen. Doch: Kimmich sollte sich nicht überschätzen. Zu schwankend waren seine Leistungen in den vergangenen Jahren, zudem ist er inzwischen auch schon 30 Jahre alt.
Eine neue Aufgabe kann reizvoll sein, aber beim Rekordmeister weiß er, was er hat: Wertschätzung, einen hohen Stellenwert und die Aussicht, eine Ära als Kapitän zu prägen. Auch das sollen die Bayern im neuen Vertragsangebot hinterlegt haben.
Noch scheint es kein endgültiges Ende der Gespräche zu sein. Joshua Kimmich sollte sich nun ganz genau überlegen, was sein nächster Schritt ist – und ob es am Ende nicht sogar doch besser wäre, das Bayern-Angebot anzunehmen. Sollte es überhaupt noch Bestand haben und der Klub nicht inzwischen die Nase voll von ihm haben.
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Der FC Bayern macht sich lächerlich
Der FC Bayern macht sich das Leben mal wieder selbst schwer. Der Aufsichtsrat beschließt, ein Machtwort zu sprechen – und trifft damit genau den Falschen.
Seit Kimmich 2015 nach München kam, hat er sich zu einem strategischen Anführer entwickelt, der mit seiner Mentalität und seinem Ehrgeiz zu einer Führungspersönlichkeit gereift ist. Seine Rolle im Team ist kaum zu ersetzen. Er genießt das volle Vertrauen von Trainer Vincent Kompany und hat bis zu seiner Verletzung noch keine Minute in der laufenden Saison verpasst.
Der 30-Jährige stand immer hinter dem Verein – selbst in Zeiten, als er keinen Rückenwind von den Bayern bekam. Etwa als er sich während der Corona-Pandemie mit den Medien und Fans allein herumschlagen musste wegen seiner Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen. Von seinem Klub erhielt er damals keine Rückendeckung. Dabei wäre das notwendig gewesen – unabhängig davon, wie er zu Kimmichs Entscheidung damals stand.
Mit dem zurückgezogenen Angebot macht sich der FC Bayern nur lächerlich. Denn: Kimmich hat die Trümpfe in der Hand. Seinen sportlichen Wert hat er weltweit untermauert, an Angeboten europäischer Topklubs mangelt es ihm nicht. Er ist Kapitän des DFB-Teams, ablösefrei zu haben und bietet als Mittelfeldakteur und Rechtsverteidiger etwas, das nur die wenigsten Profis beherrschen.
Die Entscheidung wurde Kimmich nun leicht gemacht. Weil die Bayern erneut nicht hinter ihm stehen. Weil sie Geld in andere Spieler investieren – und ihren "Kapitän der Zukunft", wie ihn Karl-Heinz Rummenigge 2020 betitelte, hinterfragen. Nun tut er womöglich dasselbe.
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