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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Frankfurter Bildungsstätte besorgt Wie TikTok den Wahlerfolg der Rechten befeuert hat
Die Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen bringen der AfD erhebliche Gewinne, besonders unter jungen Wählern. Was TikTok mit dem Wahlerfolg zu tun haben soll.
Die Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen sind entschieden. In Sachsen kommt die AfD auf 40 Mandate und liegt knapp hinter der CDU, die 41 Mandate verzeichnet. In Thüringen hat die Partei mit voraussichtlich 32 Sitzen mehr als ein Drittel der Mandate im Thüringer Landtag geholt – die CDU kommt lediglich auf 23 Mandate und liegt hinter der AfD.
Das Ergebnis erschüttert die gesamte Bundesregierung. Auch in Frankfurt ist die Besorgnis groß. So sagt Deborah Schnabel, Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank: "Dass unter Führung des Faschisten Björn Höcke erstmals seit 1945 eine rechtsextreme Partei eine Landtagswahl gewonnen hat, ist alarmierend und bedrohlich." Insbesondere für Menschen, die von Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen der Menschenfeindlichkeit betroffen sind, würde sich die Situation zuspitzen.
TikTok zunehmend von Rechtsextremen dominiert
Besonders erschreckend findet Schnabel den überdurchschnittlich hohen Zuspruch von Jung- und Erstwählern für die AfD – überrascht sei sie jedoch nicht. Die Videoplattform TikTok sei nämlich ein essenzieller Faktor. Die Plattform sei Leitmedium der jungen Generation und werde politisch zunehmend von Rechtsextremen dominiert. "Wir konnten vor den Wahlen sehen, wie sich der Faschist Björn Höcke auf TikTok einerseits als staatsmännischer Hoffnungskandidat vor blühenden Thüringer Landschaften inszeniert", sagt Schnabel.
Währenddessen mache er in seinen Videos demokratische Institutionen verächtlich und bringe "völlig selbstverständlich" rechtsextreme Begriffe wie "Remigration" in seinen Videos unter, so Schnabel weiter. Damit spüle Höcke "handfeste Deportationsfantasien" in den Mainstream.
Demokratische Parteien müssen jungen Wählern Angebote machen
Höcke habe mit seinen Wahlkampfclips zuletzt fast eine Million TikTok-Nutzer erreicht – andere Kandidaten der demokratischen Parteien würden die Plattform völlig vernachlässigen, sagt Deborah Schnabel. "Wir fordern deshalb alle Demokrat*innen dazu auf, gerade auch mit Blick auf die anstehenden Koalitionsgespräche, nach diesen Wahlergebnissen nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen", so die Direktorin der Bildungsstätte. Die AfD sei keine Partei wie jede andere, in Thüringen und Sachsen gelte sie als gesichert rechtsextrem.
Demokratische Parteien müssten insbesondere jungen Wählern attraktive Angebote machen und nicht erst unmittelbar vor der Bundestagswahl damit anfangen. "Sie werden junge Menschen nicht für ihre Positionen gewinnen, wenn sie TikTok nicht als Leitmedium der Jugend begreifen und behandeln."
- Mail-Verkehr mit der Bildungsstätte Anne Frank
- Recherche der Redaktion