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Landeskommandeur: Beobachten täglich hybride Angriffe


Verteidigung
Landeskommandeur: Beobachten täglich hybride Angriffe

Von dpa
Aktualisiert am 06.04.2025 - 04:00 UhrLesedauer: 2 Min.
Michael GissVergrößern des Bildes
Der Kapitän zu See Michael Giss leitet das Landeskommando der Bundeswehr im Südwesten. (Archivfoto) (Quelle: Marijan Murat/dpa/dpa-bilder)
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Cyberangriffe, Drohnen über Bundeswehrstandorten und sogenannte Wegwerfagenten: Der Chef des Landeskommandos der Bundeswehr geht davon aus, dass Deutschland Ziel von Attacken Russlands ist.

Deutschland ist nach Einschätzung des Chefs des Landeskommandos Baden-Württemberg regelmäßig Ziel hybrider Attacken aus Russland. "Wir beobachten es jeden Tag", sagte der Kapitän zur See Michael Giss der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Es gehe um Cyberangriffe auf die Verwaltung, auf Firmen oder die Deutsche Bahn, die sich in vielen Fällen Richtung Russland zurückverfolgen ließen.

Die hybriden Attacken betreffen nach Einschätzung des Kommandeurs aber nicht nur zivile Strukturen. "Was wir zunehmend feststellen, sind Ausspähversuche, unerlaubte Drohnenflüge über Kasernen, auch über Truppenübungsplätzen, wo ukrainische Kameraden ausgebildet werden", sagte der Kapitän zur See, der das Landeskommando seit einigen Monaten führt.

Vorgehen passt zu russischer Strategie

"Wir wissen auch, dass es im Land Menschen gibt, die unter uns leben, die sehr aufmerksam Dinge beobachten, sei es Infrastruktur, sei es Bundeswehrkasernen." Ihre Erkenntnisse meldeten sie nach Russland weiter, so Giss. "Experten nennen solche Leute Wegwerfagenten." Er persönlich sei zudem davon überzeugt, dass es in Deutschland auch Schläfer gebe, die auf Zuruf aktiviert werden könnten. "Das deckt sich auch mit der russischen Militärstrategie, dass man deutlich vor einem militärischen Konflikt ein Zielland hybrid zerlöchert, dort für Uneinigkeit sorgt, die Gesellschaft auseinanderbringt", sagte Giss der dpa.

Mit diesen hybriden Bedrohungen müsse man umgehen können, forderte Giss. Werde etwa über der Kaserne eine Drohne gesichtet, müsse er die Polizei rufen und warten, bis der Streifenwagen komme. "Und dann ist die Drohne schon längst weg - dann gibt man ein Protokoll ab und das war es. Ich kann hier aber nicht selber zum G36 greifen und die Drohne runterholen oder ausschwärmen und einen Drohnenpiloten an der nächsten Straßenecke vorläufig festnehmen lassen."

Innenministerium nennt keine konkreten Zahlen

Konkrete Zahlen zu Ausspähversuchen im Südwesten nennt das Innenministerium nicht. Den Sicherheitsbehörden lägen aber Hinweise über Drohnensichtungen auch im Bereich militärischer Einrichtungen vor, teilte ein Sprecher mit. Hinweise ließen sich im Nachhinein regelmäßig nur schwer verifizieren. "Neben der oft nur kurzfristigen Sichtbarkeit der Drohnen stellt insbesondere die visuelle Unterscheidung zwischen Drohnen und anderen Luftfahrzeugen – etwa bei Dunkelheit und in größeren Flughöhen – selbst für Experten eine erhebliche Herausforderung dar", so der Sprecher.

2022 seien zwei Piloten nach Überflügen über Bundeswehrstandorten identifiziert worden. In beiden Fällen habe es sich um Privatpersonen gehandelt, die Hobbydrohnen gesteuert hätten. Bundesweit werden immer wieder Drohnen über Militäreinrichtungen gesichtet.

Südwesten für russische Spionage interessant

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden im Südwesten ist Baden-Württemberg für russische Spionageaktivitäten interessant. "In Baden-Württemberg sind neben militärischen Einrichtungen von Bundeswehr und Nato zahlreiche potenziell bedeutende Ziele für russische Nachrichtendienste ansässig, darunter Weltmarktführer der Rüstungsindustrie", sagte der Sprecher des Ministeriums. Das Landesamt für Verfassungsschutz sehe zudem derzeit eine erhöhte Gefährdung in Bezug auf Sabotageaktivitäten.

Erst am Freitag hatte Innenminister Thomas Strobl (CDU) bei einem Treffen im Innenministerium mit Regierungspräsidenten, Landräten und Oberbürgermeistern über zivile Verteidigung gesprochen. "Wir müssen die zivile Seite darauf vorbereiten, im Ernstfall die Menschen im Land bestmöglich zu schützen", sagte Strobl. Man müsse sich verteidigungsfähig machen, sagte Strobl. So brauche etwa die Bundeswehr auch Unterstützung von der zivilen Seite.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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