Universitäten Mehr Pflege, Digitales: Hochschulen sollen moderner werden

Die Klageliste der Unis war lang, der Studentenprotest laut. Denn die Hochschulen fürchteten weitere Kürzungen, das Land aber muss bei den Finanzen jonglieren. Wie sieht die neue Finanzplanung aus?
Nach zähen Verhandlungen haben sich die baden-württembergischen Hochschulen und das Land auf ein Paket verständigt, mit dem die Universitäten in den kommenden Jahren haushalten, planen und modernere Studienangebote anbieten können. Trotz der deutlichen Kritik der Universitätsleitungen während der langen Verhandlungen begrüßten die Vertreter der Hochschulen die Vereinbarung für die Jahre 2026 bis 2030 als "wichtigen Schritt" und "klares Bekenntnis".
Geeinigt haben sich beide Seiten demnach auf eine Grundfinanzierung, die von 2027 an jährlich um 3,5 Prozent steigen und im Jahr 2030 rund 700 Millionen Euro höher sein wird als derzeit. Zusätzlich soll ein 180 Millionen Euro schweres "Zukunftsprogramm" aufgesetzt werden, damit die Universitäten sowie duale und angewandte Hochschulen ihr Studienangebot besser an die Bedarfe von Wirtschaft und Gesellschaft und an die Nachfrage durch Studieninteressierte anpassen können.
Wissenschaftsministerin: "Keine Selbstverständlichkeit"
"Wir stärken die Hochschulen mit dieser Vereinbarung im landesweiten, nationalen und internationalen Wettbewerb um Lehre, Forschung und Transfer", sagte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) bei der Unterzeichnung in Stuttgart. Die Hochschulen erhielten einen deutlichen Aufwuchs der Finanzmittel, außerdem würden die steigenden Personalkosten samt künftiger Tarifabschlüsse ausfinanziert. Das ist wichtig, weil die Personalkosten nach Angaben des Ministeriums etwa 80 Prozent der Hochschuletats ausmachen. "Das ist angesichts schwieriger Haushaltsbedingungen keine Selbstverständlichkeit", sagte Olschowski.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wehrte sich gegen den Vorwurf von Studenten, die im vergangenen November zu Tausenden gegen befürchtete Kürzungen protestiert hatten. "Wir sparen keinen Cent an unseren Hochschulen", ließ der Regierungschef miteilen. Vielmehr gehe es um einen Betrag von rund 23 Milliarden Euro, den das Land vom kommenden Jahr an und bis 2030 für die Grundfinanzierung der Hochschulen ausgebe.
Schnell auf die neue Nachfrage eingehen
Teil des vereinbarten "Zukunftsprogramms" ist ein "Transformationsbudget", über das die Hochschulen frei verfügen können, um die Studienangebote zum Beispiel durch Digitalisierung zu verbessern. Mit insgesamt 100 sogenannten Transformationsstellen sollen die Einrichtungen zudem ihr Angebot verändern, Professuren vorziehen und so neue Schwerpunkte in Lehre und Forschung setzen können.
Ziel sei es, rasch auf die sich verändernde Nachfrage von jungen Menschen, Unternehmen und Gesellschaft zu reagieren, sagte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) vor der Unterzeichnung des Vertrags.
Studenten hatten Kürzungen befürchtet
Erst im vergangenen November hatten landesweit Tausende Studierende mit Protesten vor befürchteten millionenschweren Kürzungen gewarnt, die sich auf Lehre und Ausbildung unter anderem von Fachkräften auswirken könnten. Die Rektorinnen und Rektoren hatten den Studierenden den Rücken gestärkt.
Bei der Unterzeichnung der Vereinbarung war diese Kritik nicht mehr zu vernehmen. Der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten Baden-Württemberg und Präsident der Universität Ulm, Professor Michael Weber, sprach von "einem entscheidenden Schritt". "Es wird uns zugestanden, dass wir die Mittel für unsere Belange am besten selbst einsetzen können", fügte er hinzu.
Wenngleich ein größeres Budget wünschenswert gewesen wäre, sei in den Schlussverhandlungen "noch einiges möglich" geworden, sagte Professorin Martina Klärle, die Präsidentin der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). "Wir werden den Gürtel sicher sehr viel enger schnallen müssen", fügte sie hinzu. "Aber im Vergleich zu dem, was andere Bundesländer vorhaben, ist es ein mutiger Schritt des Landes." Professor Jörg-U. Keßler, der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Pädagogischen Hochschulen und Rektor der PH Ludwigsburg, lobte die Finanzierungsversprechen als "die notwendige solide Planungsgrundlage".
- Nachrichtenagentur dpa