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Heilige Knochensplitter | Papst zeigt mutmaßliche Petrus-Gebeine


Heilige Knochensplitter
Papst zeigt mutmaßliche Petrus-Gebeine

ckr mit Material von dpa und AFP

24.11.2013Lesedauer: 3 Min.
Papst Franziskus hält die Kiste mit einer der Hauptreliquien des katholischen Glaubens: den mutmaßlichen Knochenresten des Apostels PetrusVergrößern des Bildes
Papst Franziskus hält die Kiste mit einer der Hauptreliquien des katholischen Glaubens: den mutmaßlichen Knochenresten des Apostels Petrus (Quelle: ap-bilder)
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Zum Abschluss des "Jahres des Glaubens" hat der Vatikan erstmals einen Schrein mit Reliquien präsentiert, die vom Apostel Petrus stammen sollen. Papst Franziskus zeigte eine Kiste mit den Knochenresten am Sonntag zum Abschluss einer Messe auf dem Petersplatz, zu der rund 60.000 Gläubige gekommen waren.

Dabei hielt er eine Kassette mit der lateinischen Aufschrift: "Aus den Knochen, die in den Grotten der vatikanischen Basilika gefunden wurden, und die als die des seligen Apostels Petrus gelten".

Die Kassette enthält acht Knochenfragmente. Sie waren bereits in den 40er Jahren unter dem Petersdom nahe des mutmaßlichen Petrusgrabes in einer Mauer entdeckt worden. Die daneben liegende offizielle Begräbnisstätte an der so genannten „roten Mauer“ hatte sich zuvor als Enttäuschung entpuppt: Die dort gefundenen Knochen gehörten nicht einem alten Mann, sondern zwei eher jungen Männern und einer Frau.

Versteckten Anhänger die Knochen vor Roms Geheimdienst?

In einer Mauer wenige Meter davon entfernt aber, unter einem Graffito mit der Aufschrift "Hier ruht Petrus", hatten die Ausgräber später eine verschlossene marmorne Einlassung aus dem 3. Jahrhundert entdeckt. Darin lagen - eingewickelt in golddurchsetzten Purpur, den teuersten Stoff der damaligen Zeit - die jetzt gezeigten Knochenstücke.

Sie waren einem einzigen männlichen Individuum im Alter von 60 bis 70 Jahren zuzuordnen, das etwa zur Zeit der Christenverfolgungen des römischen Kaisers Nero, also in den 60er Jahren des ersten Jahrhunderts, gestorben war.

Erst im dritten Jahrhundert sollen die Knochenfragmente in die Mauernische gelangt sein. Wissenschaftler fragen: Hatten die Anhänger der kleinen christlichen Sekte die Überreste ihres damaligen Oberhaupts dort versteckt? Wollten sie sie in einer Zeit periodisch wiederkehrender Verfolgungen vor dem römischen Geheimdienst verstecken?

Bekannt ist, dass das mutmaßliche Grab des "Petrus" genannten Fischers Simon Barjona, vom ersten bis zum frühen 4. Jahrhundert eine Wallfahrtsstätte für die verfolgten Christen war. Noch heute liegt dort der antike Boden, der von hunderttausenden Füßen glattgescheuert ist.

Nicht bewiesen ist freilich, ob der Apostel jemals dort gelegen hat. Auch ob er überhaupt je in Rom war, ist ungeklärt - Hinweise in seinen Briefen an Glaubensbrüder lassen aber darauf schließen. Historiker zweifeln im Allgemeinen nicht ernsthaft daran.

Faszinierender Trip unter den Petersdom

Die gezeigten Knochen könnten also durchaus die echten sein, glauben auch Experten, die nicht im Auftrag der katholischen Kirche forschen. Dann wären die acht Splitter die Überreste eines Mannes, der mit Jesus von Nazareth umgegangen ist, mit ihm gesprochen, gespeist und gepredigt hat - einer der letzten echten Berührungspunkte zum Anfang der christlichen Geschichte.

Wer die Knochen sehen will, muss sich normalerweise tief unter die Erde begeben: Sie lagern heute direkt am Fundort in der Mauer, gut sichtbar eingebettet in einen Plexiglaskasten.

Besonders spannend ist auch die Umgebung: eine alte römische Totenstadt. Konstantin der Große, Roms erster christlicher Kaiser, hatte diese "Nekropole" Anfang des 4. Jahrhunderts mit Schutt auffüllen und auf der so gewonnenen Fläche die Peters-Basilika bauen lassen. Auf deren Resten wurde dann im 16. Jahrhundert der Petersdom errichtet.

Da war das eigentliche Petrusgrab unter dem Hauptaltar schon längst in Vergessenheit geraten. Erst in der 1940er Jahren machten sich Archäologen daran, Teile der Totenstadt unter dem Dom wieder auszugraben.

Rom-Touristen die sich rechtzeitig - am besten zwei bis drei Monate vor ihrem Besuch - anmelden, können eine überaus spannende Führung in die Grüfte unter dem Petersdom machen. Informationen zum Besuch des "echten" Petrusgrabes, leider nur in englischer Sprache, gibt es hier.

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